Bewegung im Sommer – warum unser Körper Hitze liebt und gleichzeitig vor ihr geschützt werden muss
Sonnige Tage machen Lust auf Bewegung. Ob ein Spaziergang am frühen Morgen, eine Radtour durch den Wald oder eine Runde Nordic Walking am Abend – der Sommer bietet ideale Möglichkeiten, aktiv zu sein. Gleichzeitig fordert Wärme, vor allem eine Hitzewelle, wie wir sie dieses Jahr erleben müssen, unseren Organismus auf besondere Weise heraus. Wer versteht, was dabei im Körper geschieht, kann die warme Jahreszeit nicht nur genießen, sondern sogar gesundheitlich davon profitieren.
Sobald die Außentemperatur steigt, beginnt der Körper intensiv zu arbeiten. Um die Körpertemperatur konstant bei etwa 37 Grad zu halten, erweitern sich die Blutgefäße in der Haut, das Herz pumpt mehr Blut durch den Kreislauf und die Schweißproduktion nimmt zu. Verdunstender Schweiß wirkt wie eine natürliche Klimaanlage. Dieser Kühlmechanismus ist lebenswichtig – kostet den Körper jedoch Wasser und Mineralstoffe.
Besonders interessant ist dabei ein Effekt, den Forschende als Heat Acclimatization bezeichnen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich der menschliche Körper bereits nach einigen Tagen regelmäßiger Bewegung in warmer Umgebung anpasst: Die Schweißbildung setzt früher ein, der Kreislauf arbeitet effizienter und die Belastung für Herz und Gefäße nimmt ab. Voraussetzung ist allerdings, dass die Hitze schrittweise gesteigert wird und ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wird.
Dennoch gilt: Hitze ist kein Trainingspartner, den man unterschätzen sollte. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass hohe Temperaturen Herz und Kreislauf erheblich belasten können. Besonders zwischen 11 und 17 Uhr steigt das Risiko für Kreislaufprobleme, Erschöpfung oder sogar einen Hitzschlag deutlich an. Deshalb empfehlen Expertinnen und Experten, körperliche Aktivitäten möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu verlegen. Schattige Wege, Parks oder Wälder bieten dabei ein deutlich angenehmeres Mikroklima als asphaltierte Straßen oder freie Plätze in der Sonne.
Dabei muss Bewegung keineswegs anstrengend sein. Schon ein flotter Spaziergang, leichtes Radfahren oder Gymnastik im Freien regen den Stoffwechsel an, stärken Herz und Muskulatur und fördern die Durchblutung. Gleichzeitig werden Endorphine ausgeschüttet – jene körpereigenen Botenstoffe, die unsere Stimmung heben und Stress abbauen. Gerade in Kombination mit Tageslicht wirkt Bewegung wie ein natürlicher Stimmungsaufheller.
Sebastian Kneipp wusste bereits im 19. Jahrhundert, dass Bewegung und Natur untrennbar zusammengehören. Sein Grundsatz lautete: „Im Maße liegt die Ordnung.“ Bewegung sollte den Menschen kräftigen, nicht erschöpfen – ein Gedanke, der heute aktueller denn je ist. Moderne Sportmedizin bestätigt, dass nicht Höchstleistungen, sondern regelmäßige, an die Witterung angepasste Aktivität den größten gesundheitlichen Nutzen bringt.
Wer im Sommer ausreichend trinkt, leichte Kleidung trägt, intensive Belastungen in die kühlen Tageszeiten verlegt und auf die Signale des eigenen Körpers hört, schafft die besten Voraussetzungen, um die warme Jahreszeit aktiv und gesund zu genießen. Denn Bewegung ist auch bei sommerlichen Temperaturen ein Gewinn – wenn sie mit Vernunft und dem nötigen Respekt vor der Hitze erfolgt.
