Bewegung bringt auch den Darm in Schwung
Nach einem üppigen Essen einfach auf dem Sofa liegen bleiben? Verlockend – für unsere Verdauung ist ein kleiner Spaziergang jedoch oft die bessere Idee. Denn Bewegung hält nicht nur Muskeln, Herz und Kreislauf fit. Auch unser Verdauungssystem profitiert davon, wenn wir regelmäßig aktiv sind. Unser Darm ist nämlich keineswegs ein starres Rohr, durch das die Nahrung einfach hindurchrutscht. Seine Wände bestehen unter anderem aus Muskelschichten, die sich in wellenförmigen Bewegungen zusammenziehen und wieder entspannen. Diese sogenannte Darmperistaltik sorgt dafür, dass der Nahrungsbrei durch den Verdauungstrakt weitertransportiert wird.
Körperliche Aktivität kann diese natürlichen Abläufe unterstützen. Beim Gehen, Wandern, Radfahren oder Schwimmen kommt der gesamte Organismus in Bewegung. Kreislauf und Stoffwechsel werden aktiviert – und auch die Darmtätigkeit kann davon profitieren. Das macht sich besonders bemerkbar, wenn der Darm eher träge ist. Bewegungsmangel gilt als einer der Faktoren, die eine Verstopfung begünstigen können. Regelmäßige körperliche Aktivität gehört deshalb zu den Maßnahmen, die zur Vorbeugung beziehungsweise bei der Behandlung von Verstopfung empfohlen werden. Dabei muss es keineswegs anstrengender Sport sein. Schon Gehen und andere moderate Alltagsbewegungen können hilfreich sein. Wer viel sitzt, tut seinem Verdauungssystem also bereits etwas Gutes, wenn er zwischendurch aufsteht und ein paar Schritte geht.
Der klassische Verdauungsspaziergang hat sogar einen weiteren Vorteil. Wenn wir nach einer Mahlzeit gehen, benötigen unsere arbeitenden Muskeln Energie und nehmen Glukose aus dem Blut auf. Untersuchungen zeigen, dass schon leichte Bewegung nach dem Essen dazu beitragen kann, den Anstieg des Blutzuckers abzumildern.
Interessant ist dabei: Es muss nicht unbedingt ein langer Spaziergang sein. Eine wissenschaftliche Auswertung kam zu dem Ergebnis, dass bereits kurze Bewegungseinheiten nach dem Essen einen messbaren Effekt auf den Blutzuckerverlauf haben können. Statt nach dem Mittag- oder Abendessen sofort sitzen zu bleiben, lohnt es sich also, noch eine kleine Runde zu drehen.
Wer sich regelmäßig bewegt, kennt wahrscheinlich noch einen anderen Effekt: Nach einem Spaziergang oder einer Fahrradrunde fühlen wir uns häufig ausgeglichener und entspannter. Auch das kann für die Verdauung eine Rolle spielen. Denn Darm und Gehirn stehen über Nerven, Hormone und Botenstoffe in ständigem Austausch. Stress kann deshalb durchaus „auf den Magen schlagen“ oder die Darmfunktion beeinflussen. Bewegung wiederum kann helfen, Stress abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. Damit unterstützt sie die Verdauung nicht nur unmittelbar über körperliche Aktivität, sondern auch auf einem zweiten Weg.
Auch Sebastian Kneipp betrachtete Bewegung als festen Bestandteil einer gesunden Lebensweise. Sie bildet eine der fünf Säulen seiner Gesundheitslehre – gemeinsam mit Wasser, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung. Dabei ging es Kneipp nicht um sportliche Höchstleistungen. Er empfahl vielmehr eine „vernünftige Anstrengung“ und regelmäßige Bewegung, die zu Alter, Gesundheit und persönlicher Leistungsfähigkeit passt. Spaziergänge und Wanderungen spielten dabei eine wichtige Rolle.
Dieser Gedanke passt erstaunlich gut zu dem, was wir heute über Bewegung und Gesundheit wissen: Es kommt nicht darauf an, möglichst viel oder möglichst anstrengend zu trainieren. Entscheidend ist, Bewegung selbstverständlich in den Alltag einzubauen.
