Warum Aktivität auch der Seele gut tut
Bewegung tut dem Körper gut – aber ihre Wirkung reicht weit darüber hinaus. Wer nach einem langen Tag eine Runde spazieren geht, mit dem Fahrrad unterwegs ist oder im Garten arbeitet, kennt vielleicht das Gefühl: Der Kopf wird freier, die Gedanken kommen zur Ruhe und manches Problem erscheint anschließend weniger belastend. Dass Bewegung unserer Seele guttut, ist inzwischen auch wissenschaftlich gut belegt.
Wenn wir körperlich aktiv sind, verändert sich einiges in unserem Körper und Gehirn. Verschiedene Botenstoffe werden ausgeschüttet, die unter anderem an der Regulation von Stimmung, Motivation und Wohlbefinden beteiligt sind. Gleichzeitig kann Bewegung helfen, Stress abzubauen. Sie schafft eine Pause vom Grübeln und lenkt die Aufmerksamkeit für eine Weile auf den eigenen Körper und die Umgebung. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt die positiven Wirkungen regelmäßiger Bewegung auf die mentale Gesundheit ausdrücklich. Körperliche Aktivität kann Symptome von Depressionen und Ängsten verringern, die Gesundheit des Gehirns unterstützen, den Schlaf verbessern und zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) verweist darauf, dass die positiven Wirkungen von Bewegung auf die Psyche gut belegt sind. Bei Depressionen und Angststörungen wird körperliche Aktivität sogar begleitend zur Behandlung eingesetzt.
Dafür muss niemand zum Leistungssportler werden. Schon ein zügiger Spaziergang, eine Fahrradrunde, Schwimmen oder Gartenarbeit bringen den Körper in Bewegung. Entscheidend ist weniger die sportliche Höchstleistung als die Regelmäßigkeit. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche – das entspricht beispielsweise fünfmal 30 Minuten.
Besonders wohltuend kann Bewegung im Freien sein. Beim Spaziergang durch den Wald, beim Wandern oder Radfahren kommen mehrere positive Eindrücke zusammen: Bewegung, Tageslicht, frische Luft und die Wahrnehmung der Natur. Statt auf einen Bildschirm oder eine Wand zu schauen, wandert der Blick in die Ferne, wir hören Vögel, Wind oder Wasser und nehmen unsere Umgebung bewusster wahr. So kann Bewegung gleichzeitig zu einer kleinen Auszeit vom Alltag werden.
Sebastian Kneipp betrachtete Körper und Seele nicht getrennt voneinander. Bewegung war für ihn deshalb ein wichtiger Bestandteil einer gesunden und ausgeglichenen Lebensführung. Dabei empfahl er maßvolle Bewegung an der frischen Luft, die zu den persönlichen Fähigkeiten und zur eigenen Kondition passt. Seine Überzeugung fasste er in einem schönen Satz zusammen: „Die Bewegung erhöht die Lebenslust und hilft dem Menschen durch die Stärkung seines Körpers.“
Vielleicht liegt genau darin eine der großen Stärken von Bewegung: Sie verlangt nicht immer ein Trainingsprogramm, Sportkleidung oder besondere Ausrüstung. Manchmal reicht es schon, die Schuhe anzuziehen und loszugehen. Jeder Spaziergang und jede Fahrradrunde bewegt nicht nur unseren Körper. Oft kommt dabei auch im Kopf etwas in Bewegung – und manches andere endlich zur Ruhe.
